Hamburgmarathon 2010
Hamburg- Marathon 2010 Ich weiß nicht recht, wie ich beginnen soll. Als letzter eines Rennens ins Ziel zu kommen, ist nicht gerade rühmlich und dann noch darüber berichten? Dennoch! Vielleicht interessiert es den einen oder anderen, was ich gefühlt, gesehenen und erlebt habe.
Denn es war wieder eine neue Erfahrung. Ein neuer Marathon, in einer Stadt, die ich aus der Radfahrerperspektive noch nicht gesehen hatte. Und ich muss sagen, es waren herrliche Eindrücke, trotz der Schwere der Arbeit, die ich verrichten musste.
Alles war perfekt organisiert. Die Messe am Tag zuvor im Freihafen, gut zu erreichen, vorbei am Landungssteg der Kreuzfahrtschiffe, ließ ein Gefühl von Wehmut und Sehnsucht nach Ferne und Reisen ins Blaue aufkommen, als wir an der festgemachten „AIDA“ vorbei fuhren. Dabei erinnerte ich mich auch gern an meinen letzten Urlaub als Fußgänger in der Karibik. Das letzte Märchen in Echt – Erinnerungen an : „The Beach“
Die Messe “Marathon-Expo“ - Und noch einmal Müsli und Powerriegel kaufen, Turnschuhe bewundern, die ich früher auch gern hätte kaufen wollen, als ich noch selbst mit gelaufen bin. Heute beneide ich die Sportler, die solche tollen Materialien benutzen können. Und dann den Geruch der alten Lagerhalle aufsaugen, der an Tabak und allerlei exotische Gerüche erinnerte und den Geist der Kreuzfahrer- und Handelsschiffe lebendig werden ließ.
Es tat gut, den lebendigen Rummel vor einem Rennen zu erleben. Viele Sportler und Laufbegeisterte strahlen Optimismus und Zuversicht aus. Ich lass mich nur zu gern davon beeinflussen. Die Droge Marathon nimmt man schon Tage zuvor ein, aber die Messe am Vortag lässt sie voll zu Wirkung kommen.
Dieses Mal sollten wir uns als „Das TETRATEAM“ finden. Ein zuvor organisiertes Treffen in Hamburg führte uns beim Abendessen zusammen. Alles tolle Mädels und Jungs mit Ihren Helfern, Freunden und Bekannten, die sich das erste Mal beschnuppern konnten. Und ich muss sagen, alle waren mir vom ersten Augenblick an sympathisch und das Gefühl einer Gemeinschaftszugehörigkeit kam auf.
Doch schnell ging die Zeit vorbei und nicht mit allen konnte man sich mal unterhalten. Ich hoffe, dazu wird beim nächsten Mal mehr Zeit zur Verfügung stehen. Ein erstes Gruppenfoto wurde jedoch realisiert und so sind wir nun: „DAS TETRATEAM“ angetreten am nächsten Morgen, einem herrlichen Frühlingstag in Hamburg City.
Irgendwie ließ mich das Gefühl nicht los, etwas vergessen zu haben, oder in der Vorbereitung verpasst zu haben. Doch ich fuhr mich ein bisschen warm und in der Startaufstellung fanden wir uns als Team wieder zusammen. Die Bilder, die mein Begleiter Helmut machte, belegten nun das neue Gemeinschaftsgefühl, als Team aufzutreten.
Der Start wurde mit einer Hymne über Hamburg, gesungen von einem Opernsänger, und schließlich einer Schiffsglocke eingeläutet. Mit einer Schussfahrt, vorbei an der „sündigsten Meile“, begann das Rennen sehr schnell. Die schon einmal besuchte Hamburger „Attraktion“ war in Null-Komma-Nichts passiert. Schade, dachte ich mir so. „Wärest Du doch nur noch einmal gestern Abend dort lang spaziert.
Und schon führte uns die Strecke an den schönsten Plätzen Hamburgs vorbei. Der Hafen, die Landungsbrücken, die Alster und der schöne grüne Gürtel der Stadt mit herrlichen Villen und Häusern. Tausende Zuschauern im Volksfestgeist verbunden an der Strecke, wie auch schon in Berlin erlebt. Vielen Dank an Euch Zuschauer, Anfeuerer und Mutmacher, die meinen Namen gerufen und mich weiter getragen haben.
Denn für mich selbst wurde es die härteste Prüfung aller bisherigen Rennen, an denen ich teilgenommen hatte. Leider stellte sich eine Unregelmäßigkeit im Herzrhythmus ein und so bekam ich einfach keine Kraft mehr auf die Pedale. Mehrfach spielte ich mit dem Gedanken aufzugeben, aber der Wille trieb mich – wenn manchmal auch nur mit 5 km/h – an. Durch die ständig wechselnden Steigungen und Gefälle, war Hamburg eine sehr schwere Strecke für mich. Mit letzter Kraft schaffte ich die letzte Steigung ins Ziel, und der bis dahin letzte Handbiker überholte mich 500 Meter vor dem Ziel, so dass ich letztlich die rote Laterne durchs Ziel trug.
Egal! Ich hatte es geschafft. Mit 3:17:15 - weit über meiner selbst gesteckten Zielstellung - überquerte ich die Ziellinie und wurde gleich von meinen Begleitern im Ziel übernommen. Ich brauchte ewig, bis ich mich wieder einigermaßen erholt hatte. Eine solche Strapaze hatte ich noch nie durchstehen müssen. Ein Tribut meines Alters oder der Fehler in der Vorbereitung? Oder gar die Anzeichen gesundheitlicher Probleme? Diesen Gedanken will ich nicht zulassen. Ich möchte weiter an solchen Wettkämpfen teilnehmen und Land und Leute kennen lernen.
Doch eins steht fest. Hamburg war eine sehr schöne Rennstrecke. Herrliche landschaftliche Eindrücke, tolle Zuschauer an der Strecke und der Gedanke an das Team, rundete das Erlebnis als ein sehr prägendes für mich ab. Ein nächster Marathon? Na klar, aber ich muss erst mal sehen, was meine Gesundheit so macht. Hoffentlich lässt sie mich beim nächsten Mal nicht im Stich.
Hajo