Lanzarote 2010
Winter, allein das Wort sorgt schon für schlechte Laune. Es ist dunkel und kalt und für Wochen bewegt sich der gemeine Tetra nur von einem beheizten Raum zum nächsten. Das hat zur Folge, daß die gute Laune, das allgemeine Wohlbefinden und die Gesichtsfarbe im gleichen Verhältnis nach und nach immer mehr verschwinden. Man verwandelt sich zwischen Mitte Oktober und Januar in ein dauerfrierendes, übel gelauntes, bleiches Etwas mit einer Motivation die gegen Null tendiert. Der Gedanke an das Training auf der Rolle löst irgendwie Ausschlag aus und überhaupt ist es doch im Bett am schönsten zu dieser Jahreszeit. Hier träumt man dann von Sonne, Strand und Meer und ab und zu denkt man noch ans Rad fahren aber selbst das war dieses Jahr ganz weit weg gedanklich.
Da ich das aus Erfahrung der letzten Jahre aber nur zu gut kenne schaff ich jetzt schon seit 4 Jahren meinen Hintern spätestens Anfang Oktober ins Reisebüro und sag der netten Dame im Reisebüro, daß sie mal wieder Lanzarote klar machen soll. Die Insel ist einfach wunderbar. Im Januar hat man da im Idealfall 20-25 Grad, sehr oft Sonne, gute Straßen zum trainieren, eine geringe Flugzeit und ein Haufen netter Handbiker treiben sich dann auch immer da rum. Also genau das Richtige um dem Winter für ein paar Wochen zu entkommen. Dieses Jahr war das auch dringend nötig!
Am 19.01.2010 war es dann endlich soweit, ab in den Flieger, diesmal ganz allein, da viele schon dort waren und Herward flog von Berlin aus los. Da es aber nur wenige Orte gibt wo man sich so gut umsorgt fühlt wie am Flughafen ist das allein Fliegen völlig problemlos. Der Flughafen stellt extra jemand ab der einen zu den wichtigsten Punkten am Flughafen begleitet. Am Flieger übernehmen dann 2 Sanis, die einen bis zum Sitzplatz transportieren und ab da ist man in der Obhut von sehr netten und meist sehr gut aussehen Stewardessen die wirklich immer sehr bemüht um einen sind.
Der Flug selbst dauert dann grad mal 4 Stunden. Nach der Landung hat man dann gleich wieder jemand der einem bei allem wichtigen hilft und das ungefragt. Ruck zuck steht man dann mit Koffer und Rad vorm Flughafen und schnappt sich ein Taxi. Eine E-Klasse sollte es aber schon sein, damit alles rein paßt. Das ist auch der einzige Moment wo es etwas holprig wird denn die Taxifahrer sind des englischen nicht sonderlich mächtig und ihnen dann zu erklären wie die Räder am Rolli abgehen oder daß man beim Transfer ins Auto unter Umständen etwas Assistenz braucht und vor allem in welcher Form ist dann nicht immer ganz einfach aber mit Händen und Füßen bzw. nur den Händen klappt es dann immer recht schnell.
Im Hotel angekommen hatte ich dann noch meine Winterklamotten aus Deutschland an. Es ist dann echt verrückt wenn einem die ersten nur im T-Shirt und braungebrannt entgegen kommen. Da ich erst Abends angekommen bin ging es dann nur noch zum Essen dann ab ins Zimmer, das Bike für den nächsten Tag vorbereiten und ab ins Bett. Da es abends etwas kalt werden kann und die Häuser hier so gut wie nicht isoliert sind hab ich mir diesmal nen Heizlüfter mitgebracht der die ganzen 3 Wochen abends für behagliche Temperaturen in meinem Zimmer sorgte. Das kann ich nur empfehlen für alle Frostbeulen.
Am nächsten morgen war es dann endlich so weit. Der Wecker klingelte um 6:30 Uhr, der Wetterbericht versprach Sonne und ein Blick an den wolkenfreien Himmel bestätigte es. Also ab in die Radklamotten und zum Frühstück damit man gut gestärkt zur ersten Trainingseinheit konnte. Ich wollte mit Herward so gegen 10 Uhr los aber da noch einiges zu schrauben war verspätete es sich etwas. Dann war es endlich so weit, die ersten Kilometer auf Asphalt lagen vor uns. Die Sonne schien und langsam kam Urlaubsgefühl auf.
Das erste Training lief recht bescheiden, da wir beide über Winter nicht grad fleißig waren aber das war angesichts des Wetters und der wunderbaren Umgebung nebensächlich. Wir beschränkten uns am ersten Tag auf die sogenannte Einführrunde. Diese ist ca. 10 Kilometer lang und bis auf eine Steigung recht flach. Allerdings trafen wir sofort auf einen alten Bekannten, den immer vorhandenen Wind. Aus irgend einer Richtung bläst der hier immer auf der Insel und wenn er nicht grad von hinten kommt verflucht man ihn Tag für Tag denn er läßt einen ständig an seiner Form zweifeln. An windschwachen Tagen fährt man einige Strecken locker mit nem Schnitt um 20 km/h und am nächsten nur noch halb so schnell. Herward und ich drehten also unsere ersten Runden in gemütlichem Tempo und nach 3 Stunden ging es wieder Richtung Hotel. Der Rest des Tages war dann mit süßem Nichtstun und Sonne genießen sehr gut zu Ende zu bringen.
Selbst nach einem Tag ging es uns schon um Welten besser. Der Winter war gedanklich schon fast draußen aus unseren Köpfen und mit dem Training waren wir auch recht zufrieden.
Am zweiten Tag wurden wir wieder mit strahlendem Sonnenschein belohnt und selbst der Wind war für hiesige Verhältnisse recht schwach und so beschlossen wir nach 2 Einführungsrunden noch die El Golfo Runde dran zu hängen. Ein Teil der Strecke führt direkt durch die Lavafelder. Das heißt auf der einen Seite der Strecke nichts als schwarzes Gestein soweit das Auge reicht und auf der anderen Seite eine wild zerklüftete Küste an die das Meer mit teilweise grandiosen Brechern prallt. Die Luft schmeckt salzig und man kann sich nicht satt sehen. Klar flucht man über Wind und Berge aber das ist hier nur nebensächlich.
Nach dem Training trafen wir uns dann immer mit den Anderen. Das schöne an solchen Trainingslagern ist immer, daß man gute Freunde mal über mehrere Tage sieht und andere die man nur flüchtig von Rennen kennt näher kennen lernt. Und diesmal war es irgendwie eine ganz besondere Truppe. Jeder trug auf seine Weise dazu bei, daß es unterhaltsam, informativ ja teilweise sogar tiefgründig war.
Wir Tetras wurden natürlich wieder besonders gut behandelt aber diesmal auf eine sehr angenehme und zurückhaltende Art. Wenn wir mal Hilfe beim Schrauben brauchten oder sonst was hatten wir die freie Auswahl an geschickten Parahänden oder von den Mädels die einige dabei hatten.
An dieser Stelle jetzt mal ein Danke an Vico (ihn erwähn ich jetzt mal zuerst denn er hat wirklich in JEDER Lebenslage eine helfende Hand :-), dann an Katja für das geduldige Füße rein Füße raus jeden Morgen, dann an Herward der seine halbe Werkstatt und alle möglichen Ersatzteile dabei hatte und sie jedem zur Verfügung stellte, Jürgen muß auch noch erwähnt werden, in Zukunft nur noch der Kompressor genannt :-) Luftpumpen ist jetzt sein Ding. Natürlich auch an alle Anderen die dabei waren. Die Firma Sopur muß auch unbedingt erwähnt werden, denn Errol und Ralf kamen ein paar Tage später und die Liste die ihnen an fehlenden oder beschädigten Teilen durchgegeben wurde war lang. Aber als sie ankamen war für jeden der was brauchte was dabei.
Das Training selbst ging gut voran. Herward und ich drehten fleißig unsere Runden und entschieden je nach Wetterlage immer recht spontan was wir am Tag fahren wollten und es waren wirklich schöne Touren dabei. Das schönste waren natürlich immer die Ruhetage nach 3 Tagen Traing. Diese verbrachten wir meist damit unsere gestählten Körper in die Sonne zu legen und uns von einem Essen zum nächsten zu bewegen. Einfach herrlich so den Tag zu verbringen.
Die 3 Wochen vergingen dann leider wieder viel zu schnell aber ich denke wir haben sie gut genutzt und spätestens wenn man die Wetterlage zu Hause in den Nachrichten sah war klar, daß wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren denn bis auf gelegentliche Bewölkung und 2-3 Regentage hatten wir durchgehen perfektes Trainingswetter.
Nächstes Jahr wäre es dann schön, wenn noch ein paar Tetras dabei währen. Das Hotel hat jetzt übrigens in einigen Zimmern befahrbare Duschen und somit kann man es schon fast als rollstuhlgerecht bezeichnen.
Nach 3 Wochen ging es dann wieder Richtung Heimat. Der Wetterbericht erzählte was von -5 Grad und leichtem Schneefall aber das ertrage ich jetzt braun gebrannt, motiviert und gut gelaunt :-)
Bilder gibts hier.