Europamarathon Görlitz - Kein gutes Pflaster für Tetraplegiker
Am Sonntag den 06.06.2010 ging die Reise des TetraTeams, durch die Mitglieder Jürgen Winkler (H1.1) und Jens Sauerbier (H1.2), zum Europamarathon nach Görlitz.
Am Sonntag Morgen um 5:45Uhr klingelte mein Wecker und es hieß aufstehen, um sich auf den Weg nach Görlitz an die polnische Grenze zum Europamarathon aufzumachen. Um ca. 8 Uhr kam ich dann in Görlitz an. Kurz darauf traf ich mich mit Jens im Startbereich und wir setzten uns in unsere Handbikes um. Da kamen bei mir erstmals Zweifel auf, ob wir unser Ziel unter zwei Stunden zu bleiben nicht realisieren könnten. Denn das Profil des Marathons erschien mir wesentlich schwerer zu sein, als erwartet. Jens dagegen blieb aber noch optimistisch. Beim Warmfahren haben wir noch kurz unsere Taktik für dieses Rennen besprochen. Die Taktik bei diesem Marathon sollte folgendermaßen aussehen: Ich sollte am Anfang nach dem Start zuerst die Führungsarbeit machen, da ich der bessere Starter bin. Danach wollten wir die Führungsarbeit im Wechsel angehen und schauen wie es läuft.
Um kurz nach 9 Uhr war es dann soweit, es ertönte der Startschuss. Ich versuchte die geplante Taktik zu realisieren, da nach dem Start relativ schnell ein langer Berg kam, hat es nicht funktioniert. Es ging lange mit weniger als 10km/h hoch. Jens zog den Berg etwas schneller hoch, tat dann aber etwas langsamer, so konnte ich wieder aufschließen. Kurz darauf merkte Jens, dass er den langen Anstieg etwas zu schnell angegangen ist und fiel in ein kleines Loch. So kam unsere Taktik dann doch zum tragen. Ich fuhr den Berg zwar langsamer nach oben, aber mir machte es weniger aus und so übernahm ich die Führungsarbeit für die nächsten Kilometer. Als Jens sich erholt hatte, wechselten wir uns immer wieder bei der Führungsarbeit ab. Nach ca. 15km war uns dann klar, dass wir die 2Std. Marke vergessen konnten, da es ständig bergauf ging. Das schwere Profil zog sich dann auch das ganze Rennen hindurch. Solch ein schweres Profil hatte ich in meiner Marathonlaufbahn bis jetzt noch nie erlebt. Ich musste zum ersten mal bei einem Marathon den ersten Gang benützen und das mehrere Kilometer lang. Das hatte natürlich auch zur Folge, dass mein Tacho stellenweise keine 5km/h mehr anzeigte.
Das nächste Problem was Jens und ich bekamen war, dass wir durch die hohen Lufttemperaturen langsam zu überhitzten drohten. Nach 2Std.18Min. sind wir dann ziemlich KO und auch genervt von den Rahmenbedingungen des Marathons im Ziel angekommen.
Dafür, dass wir als Tetras Schwierigkeiten mit dem Wetter und dem Profil hatten, konnte der Veranstalter nichts. Was ich aber vom Veranstalter nicht gut fand ist folgendes: Da es nicht nur eine Marathonveranstaltung war, sondern auch einen Halbmarathon, 10km Lauf, Inliner Läufe und jede Menge Kinder Läufe dabei waren, die immer wieder auf der Marathonstrecke auftauchten. So waren diese Personen plötzlich vor den Handbikern und wir mussten ständig Slalom fahren. Das war nicht nur für uns Handbiker gefährlich, sondern auch für die anderen Teilnehmer. Was auch schlecht gelöst war ist, dass die Marathonstrecke eine Kreuzung der Teilnehmer hatte. So zwangen uns die Streckenposten zum Stehenbleiben, damit die kreuzenden Teilnehmer ungehindert durchfahren konnten. Auch deshalb waren die 2Std. Rennzeit für uns nicht zu schaffen. Was aber eine absolute Frechheit war ist, dass die Streckenposten die Straßen zum Teil für den Autoverkehr frei gegeben haben. Die Läufer konnten zum Glück auf den Gehweg ausweichen, aber wir mussten uns mit den Autos und den anderen Verkehrsteilnehmer auseinander setzen und das wurde oft gefährlich.
Mein Fazit zum Europamarathon lautet deshalb so: der Wille vom Veranstalter eine tolle Veranstaltung zu organisieren ist klar zu erkennen, aber an der Umsetzung muss noch gearbeitet werden.
Die Teilnahme von Tetras bei diesem Marathon würde ich nicht empfehlen, außer sie fahren gerne langsam bergauf und die Zeit ist ihnen egal.
Jürgen Winkler