Ein Jahr Tetra Team – Ansichten eines Insiders


Hallo Zusammen, nun ist die Überschrift zwar etwas reißerisch gewählt, doch das ist Absicht. Soweit zum „Intro“, denn wir sind bei weitem keine selbstgefälligen, eitlen Machos. Ganz im Gegenteil.

Hier soll es um eine Reflektion zur Absicht der Teamgründer, Bernd Jost und Jürgen Winkler gehen, verunfallten Tetraplegikern, Informationen und Möglichkeiten zu sportlicher Betätigung im Team und damit wieder zu mehr Lebensfreude und nicht zuletzt auch Gesundheit zu geben.

Zugegeben, auch ich war anfangs etwas skeptisch, mich dem Anliegen dieser – ja man kann schon sagen Spitzensportlern – zu öffnen, da ich alles andere als das war. Trotzdem sprach mich die Zielstellung dieser Jungs an, propagierten sie doch nicht in erster Linie den Leistungsgedanken, sondern die Freude am Sport und insbesondere am Handbiken.

Gerade weil dies als frisch verunfallter Querschnittsgelähmter allein nicht so leicht ist, weil man mitunter das Bestreben hat, sich zurück zu ziehen und sich abzukapseln, berichten wir hier von uns selbst, würden es aber auch nicht unangenehm finden, wenn andere – nicht Betroffene – über uns reflektieren.

Mittlerweile haben sich in unserem Team zwölf Querschnittsgelähmte zusammengefunden, die über das Jahr schon ein gewisses Maß an öffentlicher Aufmerksamkeit bekommen haben. Es ist dies nicht gerade leicht, bedenkt man die Aufmerksamkeit, die die Öffentlichkeit dem Sport von Behinderten im Alltag widmet, widmen will, oder widmen kann. Ich denke hier nur an die Berichterstattung des am vergangenen Wochenende stattgefundenen Berlin Marathons. Gerade als der Start der Handbiker wenige Sekunden bevorstand, blendete man aus und sendete Werbung. Auch sonst wurden nur wenige Sekunden über den Sieg der ersten Handbiker gesendet.

Jammern hilft nicht! Die öffentliche Wahrnehmung hat sich zwar mit den „Paralympics“ verbessert. Im Alltag sind wir aber nicht alle Spitzenathleten und können nicht mit zur nächsten Olympiade der Behinderten fahren. Trotzdem haben viele von uns das Potenzial aus wenig etwas zu machen und uns unserer Leistungen im Sport und damit am Leben zu erfreuen. Jeder könnte ein kleiner Held des Alltags werden. Dazu wollen wir gern mit helfen.

Bedenke ich meinen eigenen Weg im TetraTeam - und eigentlich auch vieler neu hinzu Gekommener, so kann man mit Fug und Recht behaupten, dass die Zielstellung der Teamgründer in die richtige Richtung gegangen ist. Ich möchte hier nicht davon sprechen, dass das Ziel erreicht ist, denn dieses Ziel wird- und soll ein offenes bleiben. Die Absicht, anderen interessierten Menschen diesen Gedanken einzupflanzen, wird fortbestehen, und hoffentlich in den nächsten Jahren auch viele weitere Interessenten ansprechen und finden.

Ein Jahr Tetra Team bedeutet auch, dass die weniger arrivierten mehr von den Erfahrungen und Kenntnissen unserer Spitzenleute profitierten, als umgekehrt. Die Spitzenleute blieben zum gemeinsamen Training und zum Wettkampf nicht länger allein. Es wurden Informationen zu Techniken und zum Equipment von den Tüftlern und Bastler im Team weitergegeben, und wir alle im Team fanden uns bereits mehrmals zum persönlichen Kennenlernen, zum Beispiel am Abend vor dem Start, aber auch darüber hinaus zusammen.

Somit profitierten alle im Team. Und um es abschließend noch von mir selbst zu sagen: ich bin von einem, der immer nur hinterher fuhr, jetzt zu einem Handbiker geworden, der auch schon mal mittendrin dabei ist. Und sollte es uns nicht genau darum gehen?

Hajo Illiger