Berlin-Marathon 2010
Und es endete wie es begann, im Regen
Vor 12 Jahren hatte ich nach neuen Herausforderungen gesucht und die hieß damals Marathon. Für Anfänger hat dieses Wort was faszinierendes. Mehr als 42 Kilometer soll man da fahren und das nur mit den halblahmen Tetraärmchen. Damals übrigens noch im Rennrolli und das war noch mal ne andere Hausnummer als mit dem Handbike.
Nach dem ersten Marathon war ich hin und weg davon, dieses Gefühl es geschafft zu haben, war unglaublich schön und faszinierend. Die körperliche Herausforderung und die Stimmung bei so einem Rennen hat mich die letzten Jahre motiviert jedes Jahr aufs Neue bei den unterschiedlichsten Rennen über diese Distanz an den Start zu gehen.
Leider hat diese Motivation in den letzten 2 Jahren extrem nachgelassen, denn umso mehr Rennen ich gefahren bin umso weniger ging es mir selbst noch um die Faszination Marathon sondern ich hetzte nur noch meinen Bestzeiten nach. Das endete dann damit, dass ich von der Strecke selbst und dem Außenherum fast nichts mehr mitbekommen habe, weil ich dauerhaft nur den Tacho oder meinen Vordermann im Auge hatte und wenn ich dann im Ziel nicht die gewünschte Zeit hatte war ich eher enttäuscht. Die Faszination ist also weg aber vor allem auch die Motivation für diese Streckenlänge zu trainieren. Was man ja auch deutlich an den Zeiten dieses Jahr gesehen hat.
Um es kurz zu machen, Berlin war jetzt erst mal mein letzter Marathon und der hatte es dieses Jahr echt in sich. Nach dem schon die letzten beiden Rennen ziemlich nass waren hatte ich gehofft wenigsten bei diesem Marathon trocken zu bleiben. Aber das war schon einen Tag davor klar, dass daraus nichts wird, denn ein Regengebiet hatte sich über dem Osten des Landes festgesetzt und gab uns Samstags schon mal einen Vorgeschmack auf den folgenden Tag.
Dass ich besonders große Lust hatte bei dem Wetter zu starten kann ich jetzt nicht behaupten aber frei nach dem Motto „Nur die Harten kommen in den Garten“ hab ich mich halt im Regen, gut verpackt, ins Rad gesetzt, wie ca. 140 andere Hanbiker/innen auch.
Das Warmfahren beschränkte sich aufs Nötigste und zum Glück ging dann auch alles recht schnell mit der Startaufstellung usw. Die Regenklamotten fingen leider schon am Start an durchzuweichen aber das war jetzt auch schon egal. Pünktlich um 8:45 Uhr ging es auf jeden Fall los. Wie üblich mit meine gefürchteten Startschwierigkeiten. Einen Kilometer lang lief es so einigermaßen und dann kommt der große Hammer und nichts geht mehr. Das ist dann immer der Punkt an dem mich alle überholen und selbst unser Peter zog grinsend an mir vorbei. Mir bleibt dann immer nichts anderes übrig als langsam weiter zu fahren und zu warten bis es wieder läuft. Das dauerte unter den Umständen diesmal etwas länger und es war hier eigentlich schon klar, dass hier wieder keine vernünftige Zeit bei raus kommt.
Zwischendurch hab ich schon überlegt einfach gemütlich weiter zu fahren, mir die Stadt in Ruhe anzusehen und die Atmosphäre zu genießen, denn trotz Dauerregen waren echt viele Zuschauer an der Strecke.
Aber als es dann wieder lief hab ich dann doch mal Gas gegeben so gut es ging und nach und nach hab ich dann wieder einige eingesammelt. Bei Kilometer 10 hab ich Heini und Ronny eingeholt und da die vor hatten unter 2 Stunden zu bleiben hab ich mich da erst mal angeschlossen. Es war aber recht schnell klar, dass es auch bei den Beiden nicht gut lief und somit bin ich weitergefahren. Das Wasser prasselte aus allen Richtungen auf mich ein und teilweise hatte ich echt Mühe zu erkennen wo es lang geht. Die nächsten 20 Kilometer traf ich dann immer wieder nen Vorspannbiker. An Bergen fuhr er mir weg, bergab holte ich ihn dann wieder und dieses Spielchen sorgte wenigstens etwas für Ablenkung und somit war dann auch recht schnell Kilometer 35 erreicht. Ab da kann man immer schön runterzählen und die Nähe vom Ziel baute mich nochmal etwas auf.
Zwischendurch kamen dann nochmal ein paar Gedanken an den ersten Marathon, da regnete es damals auch zum Schluss. Einen Unterschied gab es allerdings, von Euphorie war nichts mehr zu spüren und somit war spätestens im Ziel klar, dass es die richtige Entscheidung war jetzt erst mal keine reinen Marathons mehr zu fahren und ich mir mal wieder was neues suchen muss.
Einen Vorgeschmack auf neue Herausforderungen hab ich mir ja letztes Jahr in Schweden geholt und somit werde ich mich jetzt mal etwas verstärkter auf Strecken jenseits der 100 Kilometer kümmern und hoffen, dass hier wieder was von der Faszination Handbiken zurück kommt. Pläne gibt’s ja schon aber dazu demnächst mehr auf unserer Seite.