Mein erster Marathon in Berlin


Wir schreiben den 19.09.2009. Es ist ein warmer und sonniger Samstag und eine kleine Gruppe (bestehend aus mir und meinem Kumpel Matze) macht sich auf nach Berlin. Ich habe mich schon das ganze Jahr über auf dieses Wochenende gefreut und nun ist es soweit. Der Berlin Marathon steht vor der Tür.

Als ich mich für dieses Event angemeldet habe, hatte ich noch nicht mal ein Bike. Das war noch bei Schmicking in der Herstellung aber das interessierte mich zu dem Zeitpunkt nicht wirklich. Ich wusste nur, dass ich es am 19.06.09 abholen konnte und somit 3 Monate Zeit zur Vorbereitung hatte. Nicht viel denkt sich jetzt der ein oder andere aber ich habe mich den kompletten Winter mit meinem Adaptivbike probiert vorzubereiten. Obwohl man ein Liegebike natürlich nicht mit einem Adaptivbike vergleichen kann aber immerhin besser als gar nichts gemacht zu haben.

Wir fuhren von Magdeburg aus los direkt zum Brandenburger Tor, um uns schon mal einen ersten Eindruck zu verschaffen. Der Skater – Marathon fand am Samstag statt und ich wollte bei dieser Veranstaltung die Generalprobe für meine Anreise ausprobieren (Parkplatzauskundschaftung etc.). Alles lief hervorragend und so verließen wir den Schauplatz mit dem Gefühl der guten Vorbereitung in Richtung Marzahn, wo wir bei unserem Kumpel Kevin wohnten. Mit dem aufgeregtem Gefühl, dass es morgen nun endlich losgeht, schlief ich ein.

5:30Uhr klingelte der Wecker! Nach meinen grummeligen 5min. war ich voll Schaffenskraft, was jedoch ca. 30min. dauerte, bis es sich auf die anderen beiden übertrug. 8:45Uhr war Start, also fuhren wir 1 ˝h davor los, um unseren Parkplatz auch zu bekommen. Ich hatte sogar die Straßensperren mit eingerechnet, die jedoch zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht errichtet waren. „Wunderbar!“ Dachte ich mir: „Noch nicht mal gestartet und schon Zeit gut gemacht. “ Leider musste ich dann auf dem Weg zum Start feststellen, dass ich diese Zeit auch dringend nötig hatte, denn bei 40.000 gemeldeten Startern im Läuferfeld muss man sich erst mal bis nach ganz vorne durchschlagen. Wir hatten insgesamt 45min. gebraucht, bis ich mich fast ganz hinten im Feld einsortiert hatte. War für mich auch kein Problem, da ich meinen ersten Marathon sicher nicht von vorn anführen wollte. 10min. bis zum Start...

Jogi Löw gab den Startschuss um Punkt 8:45Uhr ab und wie von der Tarantel gestochen, peitschten wir los. Ich wurde zum Glück nur ganz leicht von der Tarantel erwischt und fuhr somit auch etwas verhaltener los?. Von Anfang an fühlte ich mich ausgeruht und fit, obwohl ich keine Zeit mehr für meinen Power – Riegel hatte, da der Anfahrtsweg wie gesagt „leicht“ unterschätzt wurde. Ich hatte mir einen Minimalschnitt von 18km/h vorgenommen, was ich im Training gerade so hinbekam. Leider schaffte ich es zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht, diesen Schnitt auch über 42km zu halten. Mein Ziel war es vor Haile, also vor dem ersten Marathonläufer ins Ziel zu kommen bzw. überhaupt anzukommen. Ach ja, und ich wollte Ronny Ziesmer hinter mir lassen, der in Berlin ebenfalls seinen ersten Marathon bestritt. Viele Ziele für ein einziges Rennen aber ich dachte mir: „Ganz oder gar nicht!“

Ich fing also an in die Kurbel zu hämmern und war überrascht, wie schnell ich doch war. Das lag sicher an dem guten Asphalt und den über 400.000 Menschen am Straßenrand. Ich fuhr mich schon in eine Art Trancezustand und horchte die ganze Zeit nach meinem Atem und meinem Puls. Es war wichtig, dass ich so schnell wie möglich meinen Rhythmus finde, um eine konstante Geschwindigkeit halten zu können. Zu meiner überraschung klappte das ganz gut und ich konnte zum ersten Mal einen überholvorgang ansetzen! Es gibt nichts Besseres, als einen langsameren Fahrer zu überholen und sich zu denken: „ Du überholst mich heute nicht mehr. “ Das Profil der Strecke ist sehr eben und nur ab und zu kommt mal eine kleine Brücke, die man aber mit Schwung leicht überwindet. Meine Geschwindigkeit lag konstant über 18km/h, die Sonne schien, es war noch angenehm kühl – so soll und kann es weitergehen.

Die ersten 15km liefen super! Ich überholte ein zwei Handbiker und auch die ersten Rennrollstuhlfahrer, die 10min. früher gestartet waren, kamen in Reichweite. Am Straßenrand haben Bands ihre Instrumente aufgebaut und bei dem ein oder anderen waren die Boxen sicherlich bis zum Anschlag aufgedreht. Es tat jedenfalls schon ein bisschen weh im Ohr. Als ich langsam auf die 25km – Marke zufuhr, machte sich die erste Erschöpfung bemerkbar.

Musste ich jetzt Tribut für meine zu forsche Rangehensweise zahlen? Ich wollte einfach mal anhalten, wie der eine Handbiker vor 10km und kurz eine Banane essen aber wie hätte ich das denn bitte mit meinem Gewissen vereinbaren sollen. Ich hörte noch nicht einmal auf zu kurbeln, da die Menschen am Straßenrand ja zuschauten und denken könnten: „So´ne Flasche!“ Die Blöße wollte ich mir nicht geben. Also weiter kurbeln und hoffen, dass alles gut wird. Bis km 30 fuhr ich komplett allein und dachte mir immer wieder, wie gut ich doch bin. Bis ich ein Reifensummen hinter mir wahrnahm. Ich sah Heini Köberle und Ronny an mir vorbeifahren!!! Das konnte doch nicht war sein. 30km ohne auch nur einen der beiden geahnt zu haben und nun das. Meine schweren Arme waren wie weg geblasen und ich hing mich an die beiden dran. Ich ruhte mich kurz im Windschatten aus und erschrak, als auf dem Tacho 24km/h standen. 6km/h Unterschied und doch waren sie die ganze Zeit hinter mir gewesen. Ich wollte natürlich nicht nur lutschen, denn wenn ich mich schon in diese Gruppe mit einklinke, dann wollte ich auch was beisteuern. Ich fuhr glaube in den letzten 10km 3mal von vorn und fast wär mir das 3. Mal zum Verhängnis geworden. Natürlich hatte ich keine Ahnung vom Windschatten fahren und fuhr deswegen solange vorn bis ich nicht mehr konnte. Auf den letzten 2km fiel ich ca. 10 – 20m zurück und dachte mir so: „Man bist du dämlich, Jens!“ Meine Arme brannten tierisch aber ich kam nochmal zurück. Lag wohl an dem nicht verzerrten Power – Riegel. Jedenfalls kamen wir am Potsdamer Platz vorbei und kurz nach der letzten Kurve zog ich das Tempo nochmals an. Wir fuhren alle 3 auf einer Linie, doch irgendwie konnte ich als einziger das Tempo durchhalten. Kein Wunder, war ja auch mein Tempo?. Mit einer Gesamtzeit von 2:09h kam ich als 8. Der A – Fahrer ins Ziel! Nicht schlecht für´s erste Rennen, dachte ich mir. Vor Ronny und Haile im Ziel, eine Durschnittsgewschwindigkeit von 19,58, meine nicht mehr fühlbaren Arme mit Muskelmietze noch 3 Tage später – Es war vollbracht!

Für jeden der noch nicht weiß, wo er seinen ersten Marathon fahren soll, empfehle ich BERLIN!!! Nicht umsonst gehört er zu den Big Five in der Welt und ich bin nächstes Jahr zu 110% wieder dabei! Zimmer ist schon gebucht und dann werd ich noch früher zum Ziel, um vielleicht dann von Anfang an in einem Team mitzufahren – Vorzugsweise im TetraTeam;-)