Race across Deutschland 2011
Jetzt sind 2 Wochen vergangen und es wird langsam Zeit einen Bericht über unsere Tour durch Deutschland zu schreiben. Aber wo soll ich anfangen?
Im letzten halben Jahr ging uns fast nichts anderes mehr im Kopf herum als diese Tour, und jetzt ist es einfach vorbei. Im Vorfeld habe ich mir oft ausgemalt wie es wohl sein würde nach 3 Tagen und weit über 1100 Kilometern in Flensburg einzufahren.
Variante eins: Großer Jubel, die schönsten Frauen Flensburgs stehen Spalier, streuen Rosenblätter, Zeitungen und TV-Sender reißen sich um uns. Man Teilt uns mit, dass die Stelle als König von Deutschland gerade frei ist und fragt, ob nicht einer von uns Lust darauf hätte …..
Variante zwei: Wir sind körperlich alle total am Ende und kriechen auf dem Zahnfleisch in Flensburg über die Ziellinie.
Variante drei: Wir scheitern kläglich.
Mir persönlich war Variante eins am liebsten und genau daran hab ich im letzten halben Jahr gedacht wenn ich mir über den Sinn bzw. Unsinn dieser Aktion Gedanken gemacht habe.
Wie war es denn nun tatsächlich in Flensburg anzukommen und hatte es einen Sinn sich das an zu tun?
Um das zu beantworten fange ich jetzt mal ganz vorne an.
Die Idee zur Tour:
Jürgen und ich hatten mal wieder Langeweile und schmiedeten Pläne für eine neue Aktion. Schweden war jetzt schon ein Jahr vorbei und es musste mal wieder was passieren. Es war klar, dass es wieder was großes sein sollte, es sollte noch niemand vorher gemacht haben und das Team sollte mit einbezogen werden.
Ideensammlung:
- Zum Mond und zurück... fällt flach, das ist zu kalt.
- Einmal um die Welt in 79 Tagen... kommt viell. noch.
- 1000 Kilometer als Team … klingt interessant aber im Team mit unseren unterschiedlichen Leistungsklassen wird das für die einen zu schnell und für die andern zu langsam.
- 1000 Kilometer als Staffel... das könnte klappen.
- was ist eigentlich die größtmögliche Entfernung in Deutschland? Kurz mal im Routenplaner Sonthofen Flensburg eingegeben. 1100 Kilometer. Klingt gut.... das ist es !!
- Das sollte mit 4 Fahrern zu schaffen sein, und um es spannend zu machen, sagen wir jetzt einfach mal das Ganze soll unter 72 Stunden erledigt sein.
Die Vorbereitung
Wie so oft, wenn man was macht, was noch keiner vorher gemacht hat, kann man auch niemand fragen wie man so ein Vorhaben in die Tat umsetzt. Es ist unglaublich an was man da alles denken muss. Sponsoren, Begleitpersonen, Streckenplanung, Autos, Essen, Kommunikationsmittel, Ladekabel für alles Mögliche, Klamotten usw. Und nebenbei muss man noch trainieren und arbeiten gehen. Das meiste davon hat Jürgen im Alleingang organisiert, denn wirklich drum gerissen hat sich da niemand.
Die Tour
Über 70 Stunden Dauerstress in Worte zu fassen ist so gut wie unmöglich. Es gäbe so viele kleine Geschichten die es wert wären erzählt zu werden, dass man ein Buch drüber schreiben könnte. Ich packe hier jetzt mal die wichtigsten Fakten zusammen und der Rest erzählen die Bilder.
-
Der Start erfolgte Punkt 12 Uhr in Sonthofen.
Gewechselt wurde alle 2-3 Stunden.
Die ersten Etappen liefen besser als gedacht, wir machten ordentlich Kilometer.
Gefahren wurde Tag und Nacht.
Geschlafen wurde sehr wenig, eigentlich viel zu wenig aber man kam nicht dazu.
Nach der ersten Nacht der erste Ausfall. Jürgen hat zu wenig gegessen und getrunken und liegt entkräftet flach.
Einige unserer Begleitpersonen sind völlig übermüdet.
Ich dachte das erste mal über den Abbruch nach weil ich nicht glaubte, dass alle den Schlafentzug noch weitere 48 Stunden durchhalten.
Es folgte eine Diskussion mit allen ob es weiter geht. Einstimmiges JA.
Jürgen kam erst mal an den Tropf und setzte eine Etappe aus.
Herward sprang das erste mal als Ersatzfahrer ein.
Das erste Handy fiel aus. Hat eigentlich jemand an ein Ladekabel fürs Auto gedacht um die Dinger aufzuladen? Nein hat niemand....
Die ersten Begleitpersonen wurden zum Zwangsschlafen verdonnert und stießen später wieder dazu.
Der zweite Tag lief sehr gut. Die Wechsel haben sich etwas besser eingespielt.
Meine erste und letzte warme Mahlzeit gab es auch an dem Tag.
Das fahren lief immer noch erstaunlich gut und alle waren motiviert.
Das nächste Handy fielt aus.
Wir glaubten so langsam dran es zu schaffen.
Nachts kleine Orientierungsprobleme und plötzlich auf einer zweispurigen Bundesstraße. Woher soll man denn bitteschön wissen, dass man da nicht mit dem Fahrrad drauf darf? Hat mir beim Fahrradführerschein in der zweiten Klasse keiner gesagt.
Tagsüber 1000 Eindrücke von allen Seiten, immer wieder wechselnde Landschaften die man sogar genießen konnte wenn es nicht bergauf ging.
Nachts zwischen ein und 4 Uhr komplette Dunkelheit und Ruhe. Ein unbeschreiblich schönes Erlebnis. Nur dumm, dass man Berge nicht kommen sieht und sich immer mal wieder wundert, dass man nicht mehr vom Fleck kommt.
Die letzten 24 Stunden waren angebrochen. Die Fahrer gaben noch einmal alles.
2 Fahrer und 4 Begleitpersonen fallen daraufhin aus und verordnen sich sogar selbst Schlaf.
Kleine Besprechung mit dem Rest der Truppe.
Die Kommunikation wird schwerer. Ein weiteres Handy verabschiedete sich.
Wir beschlossen die letzten Etappen bis kurz vor Flensburg zu dritt abzufahren.
Nachts war es sehr kalt, da die Wolken verschwunden waren. Dafür gab es sternenklaren Himmel.
Belohnt wurden wir mit einem grandiosen Sonnenaufgang. Die Sonnenstrahlen kämpften sich langsam durch den Nebel.
Wir beschlossen die letzten 10 Kilometer mit allen 5 Fahrern zu fahren.
Treffen auf einem kleinen Parkplatz im Nirgendwo.
Alle stiegen nochmal ins Rad und gemeinsam ging es Richtung Flensburg.
Das Ortsschild war zu sehen und wir kamen unserem Ziel näher.
Die letzten Meter fuhren alle nebeneinander und wir legten mal kurz den Verkehr lahm, aber nach dieser Tour darf man das!
Ein kurzer Blick auf die Uhr aber eher fürs Protokoll. 10:09 Uhr also 70 Stunden und 9 Min
Ziel erreicht und GESCHAFFT!!!
Seltsam, keine Frauen da die Rosenblätter streuen. Kein Feuerwerk im Kopf, das Gegenteil ist der Fall. Komplette Leere aber auch unendliche Erleichterung. Wir sind tatsächlich angekommen. Direkt nach der Tour hätte ich nicht sagen können ob das Ganze jetzt einen Sinn hatte. Mit etwas Abstand betrachtet kann ich das aber eindeutig mit JA beantworten. Es war ein großartiges Abenteuer und Abenteuer sind es immer Wert sie anzugehen!!
Was wir da als Team (Fahrer und Begleiter) geleistet haben war richtig großer Sport. Wir haben als Team unglaublich gut funktioniert und jeder der dabei war kann zurecht stolz auf sich sein.
Eine Sache muss aber jetzt auf jeden Fall noch hervorgehoben werden und zwar unsere Begleitpersonen. Man muss sich das mal vorstellen, da kommen so ein paar durchgeknallte Rollifahrer und haben die Idee mit dem Rad durch Deutschland zu fahren. Nur so ganz allein bekommen sie es nicht hin und dann fragen sie so nebenbei mal rum wer denn Lust hätte sie zu begleiten. Es fanden sich dann tatsächlich ein paar Fußgänger die sofort zugesagt haben ohne wirklich zu wissen was sie erwartet. Denn zu dem Zeitpunkt wusste noch keiner, dass wir mindesten 3 Personen zu wenig dabei haben würden, dass einige gerade mal 3 Stunden Schlaf bekommen würden für mehr als 72 Stunden, dass es nichts vernünftiges zu Essen geben wird und zwischendurch ständig einer sagt, „kannst du mal kurz ...“.
Also an dieser Stelle
Danke Fritz, Margit, Daniela, Paula, Robert, Ronny, Christian, Heidi und Bernd!!!!!!!!!! Ihr habt mindestens eine genauso großen Anteil am Gelingen dieser Aktion wie wir Fahrer.
Dann bis zum nächsten mal wenn es wieder heißt, das TetraTeam plant eine Aktion.........