Waren-Müritz 2011


Rund um die Müritz 76,8 km

Nun war es wieder soweit, das Jahr war rum und die Hälfte der Saison auch. Die Strapazen des vorigen Jahres waren fast vergessen und das Wetter hatte wohl dieses Jahr ein Einsehen, weder regnete es, wie so oft in diesem Jahr, noch erwartete uns eine Hitzeschlacht wie im vorangegangenem Jahr. Da ich noch bis kurz vor dem Rennen an einer misslungenen Botox-OP laborierte ging ich mit wenig Erwartungen und einem veritablen Trainingsrückstand an den Start. Da ich dieses Rennen schon 2mal bestritten hatte, wollte ich aber mit der „Tradition“ nicht brechen, zumal dieses ein Rennen ist das durch seine Streckenführung und die sehenswerte Landschaft ein ganz besonderes Flair hat.

Auch mein Teamkollege Jürgen, der es sich nach der anstrengenden Tour „race across Deutschland“ und diversen Marathon und Langstreckenrennen vorgenommen hatte die gesamte Strecke von ca.77 km in einer Zeit unter 4 Stunden zu fahren, war wieder mit von der Partie. Jens fehlte leider, da er sich auf der Tour eine Verletzung des Handgelenkes zugezogen hatte.

So starteten wir pünktlich 8.30 Uhr bei herrlichstem Sonnenschein und noch angenehmen 17 Grad. Auf den ersten Kilometern ergab es sich das wir mit Michaela Schlett eine Dreiergruppe bildeten. An den ersten Steigungen mussten wir Jürgen allerdings ziehen lassen, da er wie entfesselt auf seine angestrebte Zielzeit zustürmte. Auf einem Stück der Strecke die mit Spurplatten gelegt war, schloss ich wieder auf. Kurz darauf teilte Jürgen mir mit das wir die ersten 20km in einer zeit von 55 min zurückgelegt hätten. Das ich dieses Tempo kaum die gesamte Strecke durchhalten würde wurde mir zusehends klarer, da ich das letzte hüglige Stück der Strecke vom Vorjahr noch in bester, oder eher gesagt schlechter Erinnerung hatte. Auf einmal fragte mich Jürgen ob ich mal einen Blick auf seinen linken Hinterreifen werfen könnte und tatsächlich hatte ihn die „Defekthexe“, welche uns auf der Tour über 1200km durch Deutschland verschont hatte, mit einem bösen Plattfuß heimgesucht. Da ich weder Werkzeug noch Schlauch dabei hatte und auch sonst keine große Hilfe gewesen wäre, fuhr ich nach kurzer Abstimmung alleine weiter. Michaela hatte zu diesem Zeitpunkt unser Tempo nicht halten können und war einige 100 Meter zurückgefallen. So nahm Jürgen die 5km zum nächsten Verpflegungspunkt an dem er sich Hilfe erhoffen konnte alleine auf seinem weidwunden Gefährt in Angriff. Keine 3 km später erschreckte mich ein großes schwarzes Teil das sich von meinem Bike löste und klappernd hinter mir zu Boden fiel. Mist! Mein Kettenschutz den ich beim Ein- und Aussteigen in der Bernd- Jost-Technik wohl etwas überstrapaziert hatte musste der teils schlechten Wegstrecke Tribut zollen und hatte sich soeben verabschiedet. Vollbremsung! Wenden nicht möglich. Also rückwärts nach gut 25m hatte ich ihn dann endlich erreicht und aufgesammelt. Genau wie Jürgen mich und Michaela die inzwischen zu ihm aufgeschlossen hatte. Keine Möglichkeit den Kettenschutz irgendwo wieder zu befestigen, also zwischen die Zähne geklemmt und so die letzten 2km zum Verpflegungspunkt mit einer etwas ungewöhnlichen Zahnspange zurückgelegt. Dort den Kettenschutz abgegeben mit der Bitte ihn im Zielbereich zu hinterlegen und gleichzeitig schon mal versucht Flickzeug, Luftpumpe und Hilfe für Jürgen zu avisieren der kurz nach mir dort anrollte.

Die nächsten Kilometer fuhr ich dann mit Michaela zusammen wobei wir uns in der Führung abwechselten und uns durch gemeinsame Orientierungstipps einige Umwege ersparten die wir im Vorjahr noch mitgenommen hatten. Irgendwann hatte sie dann wohl den Kanal voll von meinem ständigen Geschwätze und zog unmerklich von dannen. Vielleicht war sie aber einfach auch nur viel schneller als ich.

Also wieder mal Einzelkämpfer und das auf den gefürchteten letzten 25km. Aus der Erfahrung des letzten Jahres hatte ich mir bis dorthin noch einen guten Liter Wasser aufgespart, da kein Baum mehr Schatten spendete und die hochstehende Sonne ein Übriges tat um dem gemeinen Tetra das Fahren zur Hölle zu machen. Dummerweise musste ich alsbald feststellen dass der Schlauch in der Flasche abgeknickt war und egal wie ich zerrte und drehte ohne größeren Aufwand war dieses Reservoir kühlenden Nasses nicht wieder zu erschließen. So hieß es nun die nächsten Kilometer, die Sonne, die Hügel, der Asphalt und ich. Dummerweise war auch noch meine Schulter, die ich mir tags zuvor bei einem missglückten Auto –Rollstuhltransfer lädiert hatte, der Meinung auch noch ein Wörtchen mitreden zu wollen. Über die üblichen an dieser Stelle auftretenden Fragen „Warum tu ich mir so´n Sch… eigentlich an?“ „Was trinke ich als erstes im Ziel?“ „Wo gibt’s da Wasser das ich mir über den Schädel gießen kann? „ oder fahre ich gleich mit dem Bike ins Hafenbecken?“ vergingen dann irgendwie auch die restlichen Kilometer.

Nach 03:52:12 Stunden überquerte ich den Zielstrich, alle Fragen waren vergessen und auch die Sonne war kein brennender Planet mehr sondern freundlich lächelnd bereit uns den Rest des Tages zu erfreuen. Gut 10 min nach mir kam auch Jürgen schon ins Ziel, der nach 20 minütiger Zwangspause in seiner furiosen Art noch fast 10 Minuten des Abstandes zwischen uns wieder herausgefahren hatte.

Es war vollbracht. Nicht mit allem was wir uns erhofft hatten, aber das stimmt mich zuversichtlich, dass Jürgen auch nächstes Jahr die weite Anreise wieder in Angriff nehmen wird. Denn wie ich unseren Teamchef kenne lässt er das nicht so stehen … die 4 Stunden müssen noch geknackt werden! Auch wenn er sie nach Abzug der Reparaturpause schon deutlich unterboten hat.

Ein besonderer Dank geht hier an dieser Stelle an Fritz und Margit, welche sich wieder einmal aufopferungsvoll nicht nur um Jürgen sondern auch um mich gekümmert haben. Auch an Olaf Heine der mir selbstlos seinen Rollstuhl im Zielbereich borgte, da meiner noch auf dem Zeltplatz stand auf dem ich übernachtet hatte.

Alles in allem kann ich nur sagen: „Auf ein Neues in 2012“

HM