Berlin Marathon 2011


Wie jedes Jahr zog der 38. Berlin Marathon nicht nur 40000 Läufer in unsere Hauptstadt, auch ca. 100 Handbiker waren bereit einen der größten Stadt-Marathons der Welt in Angriff zu nehmen. 7 Mitglieder des Tetrateams hatten die Herausforderung ebenfalls angenommen. Leider musste Robin kurzfristig krankheitsbedingt auf seinen Start verzichten. Treffpunkt am Sonntagmorgen war wie schon im Jahr davor die Altonaer Straße. Das allseits bekannte Vorbereitungsprozedre lief wie immer Dank unsere Helfer reibungslos ab. Auch über die üblichen „Wehwechen“ wurde sich wieder ausgetauscht. Auch das kennen wir ja schon, dass an jedem Start nur „Kranke“ und „Untrainierte“ ins Rennen gehen, die dann komischerweise nach dem Startschuss plötzlich explodieren und Bestzeiten in den Asphalt brennen. Ein Erlebnis war wie immer der Auftritt von unserem Hajo, der mit seiner in einheitlichen Shirts und Jacken ausstaffierten Entourage die Blicke auf sich zog. Für mich immer wieder beindruckend mit welchem Enthusiasmus er seinen Sport betreibt. Die doch recht frischen 12 Grad machten uns etwas Kopfzerbrechen bei der Kleiderwahl die wir aber dank der reichlichen Auswahl an gesponserter Teamkleidung von Erdinger alkohlfrei und skins individuell klären konnten. Auf die Produkte der Firma e-cooline brauchten wir bei der Witterung nicht zurückgreifen. Gegen 8.00 Uhr waren wir dann alle auf der Aufwärmrunde um wenigstens vor dem üblichen Warten und Frieren in der Startaufstellung unsere Muskeln etwas auf die bevorstehenden 42,195 Kilometer vorzubereiten. Selten genug fühlte ich mich in dieser Saison so fit und gut vorbereitet. Aus den guten Erfahrungen vom Mannheim-Marathon, bei dem ich mich lediglich auf eine relativ kurze Aufwärmphase beschränkt hatte, drehte ich nur einige wenige Runden um die Goldelse. Das Einfinden in die Startaufstellung war in diesem Jahr weniger chaotisch, da alle darauf achteten eine Gasse für die sich später einfindenden Biker zu lassen. Da mein Teamkollege Peter so nett war noch den Startplatz mit mir zu tauschen, stand ich dann hinter Jürgen und Christian direkt am linken Rand unsere Startaufstellung in einer recht komfortablen Ausgangsposition.

Startschuss! Die Hatz begann und mit einem für mich eher ungewöhnlichen Blitzstart zog ich an Christian und Jürgen links vorbei in dem Wissen das ich eine gute Platzierung bzw. Zeit nur erreichen würde, wenn ich eine Gruppe oder einen Fahrer auf meinem Niveau erwischen würde, in deren Windschatten ich meine Kräfte etwas schonen können würde. Verschont von der mich oft nach dem Start ereilenden Atemnot gelang mir das auch, als plötzlich Jürgen neben mir auftauchte und sich anschickte mich zu überholen. Also doch noch einen drauflegen. In dem Moment kam ein noch schnellerer Fahrer von hinten und da ich mich gut fühlte rutschte ich in dessen Windschatten und ließ mich weiter nach vorne ziehen. Leider konnte Jürgen in diesem Moment das Tempo nicht mehr halten und musste abreißen lassen. Meine Befürchtung am ersten leichten Anstieg meinen Windschattengeber zu verlieren bewahrheiteten sich leider. Doch das Glück war an diesem Tag auf meiner Seite, da wir just in dem Moment einen Handbiker einholten der mein Tempo an der Steigung fuhr und den ich zudem auch noch kannte. Ulf, der Freund von Michaela war die glücklichste Fügung dieses Renntages. Wir sprachen uns ab das Rennen gemeinsam zu bestreiten wobei ich mich darauf beschränkte die erste Hälfte der Strecke seinen Windschatten zu halten um dann eventuell, sollte meine Kraft reichen auch hin und wieder etwas an Führungsarbeit zu übernehmen. Da mein Bike eindeutig besser rollte und mein breiterer Radstand der Hinterräder mir eine höhere Kurvengeschwindigkeit erlaubte gelang mir dies auch recht gut. Das wir aber auf der letzten Rille unterwegs waren merkte ich als in einer Kurve mein kurveninneres Rad sich plötzlich vom Asphalt hob und ich seit langem mal wieder auf nur 2 rädern unterwegs war. Lenker gerade, Rad runter, wieder einlenken und so schaffte ich die Kurve doch noch kurz vorm touchieren der Bordsteinkante. Meine Versuche Führungsarbeit zu leisten beschränkten sich auf der zweiten Hälfte des Rennens auf einige wenige Abschnitte mit Gefälle auf denen ich die Vorteile meiner tiefen aerodynamischen Sitzposition und den hervorragenden Laufeigenschaften meines Bikes ausnutzen konnte. So hatte Ulf am Ende des Rennens sicher mehr als 80% der Arbeit geleistet. Das Ergebnis meiner „Lutscherei“ war eine neue Marathonbestzeit von 01:35:16 Stunden. Das ich in der Lage wäre eine Zeit im Bereich von anderthalb Stunden zu fahren war für mich vor Jahren als ich mit dem Handbiken begann die reine Utopie. Aber wie ein Freund von mir immer geistreich argumentiert: „Training hilft“, naja und Windschatten sicher auch. Unser Teamkollege Jens, der sich auf die Paralympics mit der Rollstuhlrugby Nationalmannschaft vorbereitete, bemerkte dazu lediglich, „Tetras dürfen lutschen“ und insofern reiht sich hier meine neue Marathonbestzeit in die Gallerie der anderen Tetrabestzeiten in meiner Klasse ein, welche wohl größtenteils auch mit Unterstützung erreicht wurden oder auf der „bergab Strecke ohne Kurven“ in Padua.

Zu erwähnen wäre noch das Jürgen mit 01:48:13 in der Klasse H1.1 den ersten Platz in seiner Klasse errang und erst kurz vor dem Ziel von Christian überholt wurde bei dem am Anfang des Rennens gar nichts lief und der erst in der zweiten Hälfte seine Leistung abrufen konnte. Mirco in seinem zweiten Marathon mit 01:59:32 die 2 Stundenmarke wieder unterbieten konnte. Peter und Hajo in bester Teammanier sich gegenseitig unterstützten, was Hajo eine neue Marathonbestzeit von 02:19:42 Stunden einbrachte, die von Peter mit einer Zeit von 02:18:30 noch unterboten wurde. Auch Stefan lieferte ein ordentliches Ergebnis mit 02:43:51 Stunden ab. Das-Tetra-Team stellte mit seinen 7 Startern eine der größten Teilnehmergruppen aus einem Team. So wird uns allen der 38. Berlin-Marathon in guter Erinnerung bleiben zumal uns ein goldener warmer Herbsttag für das Regenrennen des Vorjahres entschädigte.

Und auch an dieser Stelle sollen unsere geduldigen Helfer und Unterstützer, allen voran Daniela, das „Team Illiger“, Peters und Stefans Familien nicht unerwähnt bleiben, ohne die wir nur schwerlich in der Lage wären so unbeschwert unserem Hobby zu frönen.

HM